Ich komme aus der Stadt Pirot in Serbien. Ich bin Juwelier und habe nach dem Tod meiner Frau im Kosovo-Krieg meine Wohnung verkaufen müssen, um einen eigenen Laden zu eröffnen. Dafür sollte ich Bestechungsgeld an korrupte Polizisten zahlen. Ich habe mich geweigert. Das war im Jahr 2001. Ein paar Monate nachdem ich meinen Laden eröffnet hatte, kamen 2 Männer zu mir, die 60 Gramm Gold verkaufen wollten. Einer wollte ein Glas Wasser und ich bin in die Küche gegangen, um ihm Wasser zu holen. In diesem Moment hat dieser Mann anscheinend 28 Gramm Heroin unter meinem Sofa versteckt. 5 Minuten nachdem die beiden Männer weg waren, kamen 8 Polizisten, haben meinen Laden durchsucht und sofort das Heroin gefunden. Ich wurde verhaftet und saß 2 Monate im Gefängnis.

Dort wurde ich mehrfach von den Polizisten verprügelt. Es gab nach 6 Monaten einen Prozess und ich wurde freigesprochen. Da ich gute Kontakte zur Polizei hatte, habe ich mich beim Polizeiministerium beschwert. Die korrupten Beamten wurden daraufhin entlassen.

Ich hatte Angst, dass diese ehemaligen Polizisten, die Bestechungsgelder von mir wollten, mir etwas antun würden. Immerhin hatten sie mich schon mehrfach verprügelt. Also bin ich aus Serbien geflohen, zunächst in die Schweiz. Ohne Pass, denn den hatten die Polizisten mir weggenommen. Ich habe in der Schweiz Asyl für ein Jahr bekommen, bin dann illegal nach Schweden eingereist, mit einem Freund. Und dann auf illegalen Wegen nach Deutschland gekommen. Ich habe hier Asyl beantragt – aber eben als jemand, der illegal und ohne Ausweis eingereist ist. Deshalb wurde mir bisher nur ein vorläufiges Asyl gewährt.

Ich werde niemals nach Serbien zurückkehren. Ich würde überall hingehen, würde gerne wieder als Juwelier arbeiten, egal wo. In Deutschland, in Schweden, in der Schweiz, in den USA. Aber niemals mehr in Serbien. Meine ganz Familie hat psychische Probleme, ich konnte nach der Verhaftung 6 Monate lang nicht mehr schlafen. Es war eine fürchterliche Zeit. Wir alle hatten Angst. Dieses schreckliche Gefühl möchte ich niemals wieder haben. Ich weiß nicht, wo ich hingehen werde, wo ich überhaupt hingehen kann. Das wird vom Staat entschieden. Aber eines ist sicher: Ich gehe nie wieder nach Serbien zurück. Und ein Juwelier ist ein Juwelier. Egal wo auf der Welt.