Ich komme aus Mali, war dort Student. Aber ich konnte mein Studium nicht beenden, weil mein Vater gestorben ist und ich mich um meine Mutter und meinen Bruder kümmern musste. Dann, vor 3 Jahren, kamen die Tuareg und haben Azawad, das Gebiet, in dem ich lebte, besetzt. Sie kamen von überall her, aus Libyen, aus Somalia. 3 Männer kamen zu uns nach Hause und haben uns bedroht. Wir sollten uns mit ihnen solidarisieren und ihnen Geld zahlen. Sonst würden sie uns töten. Dann haben sie mir meinen Pass weggenommen.

Ich konnte ihnen kein Geld zahlen – und deshalb musste ich fliehen. Sonst hätten sie mich umgebracht. Ein Nachbar von mir, ein Mann, den ich seit unserer gemeinsamen Kindheit kannte, wurde vor meinen Augen von den Tuareg getötet.

Ich bin zu Fuß nach Algerien geflohen. Aber dort konnte ich nicht bleiben, weil ich keinen Pass mehr hatte. Die Behörden wollten mich zurück nach Mali schicken. Obwohl ich ihnen gesagt habe: „Die Tuareg werden mich töten, wenn ich zurück gehe!“ Also bin ich weiter geflohen, nach Libyen und von dort aus mit einem Boot nach Italien.

Die Schifffahrt nach Italien war fürchterlich. Drei Tage und Nächte, ohne Wasser, ohne Essen. Drei Menschen sind vor Verzweiflung über Bord gesprungen und ertrunken. Ich habe gebetet, habe Gott gebeten, mir zu helfen, mir beizustehen.

Von Italien aus bin ich dann mit einem Bus nach Deutschland gekommen, zunächst nach Dortmund, dann nach Köln.

Ich wollte schon immer einmal nach Deutschland, schon, als ich noch in Friedenszeiten in Mali gelebt habe. Aber ich merke, dass ich hier auch nicht willkommen bin.

Ich will doch nur mein Leben schützen. Es ist eine schlimme Situation. Wenn Gott mich fragen würde: „Willst Du noch weiter leben?“, ich würde antworten: „Nein, Gott, bitte nimm mich zu Dir.“

Es gibt für mich keinen Ausweg. Ich kann nie wieder nach Mali zurück. Die Tuareg würden mich sofort umbringen. Aber hier in Deutschland gibt es für mich auch keine Zukunft. Ich weiß nicht mehr, wer ich eigentlich bin und wo ich hin gehöre. Es gibt keinen Ausweg, keine Hoffnung.