Where Are We Going

 

 

Man muß weggehen können

 

und doch sein wie ein Baum:

 

als bliebe die Wurzel im Boden,

 

als zöge die Landschaft und wir ständen fest.

 

 

Diese Zeilen von Hilde Domin aus dem Gedicht Ziehende Landschaften vermitteln die unerträgliche Situation, fliehen zu müssen. Die Bezeichnung ‚Flüchtling’ für solche Menschen, die fliehen müssen oder mussten, verschlimmert den Verlust des Zuhauses noch. Denn dieser Begriff ist negativ besetzt: Er bezeichnet den Fremden schlechthin, den Heimatlosen, den Obdachlosen. Der ‚Flüchtling’ ist nicht wie man selbst. Er gehört nicht hier hin. Er gehört nirgendwo hin.

 

Ein solcher Begriff schürt, gepaart mit den allgemeinen Bildern der Medien, die meist eine Gruppe oder Massen von Fremden zeigen, die fast immer auf die Kamera (und damit auf den Betrachter) zulaufen, die Intoleranz und das Unverständnis gegenüber Menschen, die vor etwas flüchten, vor dem wir alle flüchten würden. Vergessen wird dabei, dass ‚Flüchtlinge’ Menschen sind. Flüchtende Menschen, die die Hilfe unserer Gesellschaft brauchen - und nicht die Bewertung ihres Daseins und Soseins.

 

Diese Reihe von fotografischen Individualportraits soll Menschen, die vor etwas flüchten mussten, möglichst sachlich aber auch persönlich so abbilden, wie sie sich dem Betrachter zeigen. Man muss ihnen in die Augen schauen von Mensch zu Mensch und nicht als ‚Flüchtling’.

 

Zusätzlich erzählen diese Menschen dem Betrachter von ihrer Geschichte und ihren Träumen in einem kurzen Zitat oder einem knappen Statement.

 

Where Are We Going zeigt Menschen, die auf der Flucht sind oder waren. Sie sollen dabei nicht in irgendeiner Form ‚bewertet’ werden. Die Reihe entstand im Wohnheim in der Herkulesstrasse in Köln - das ungefähr 1000 Meter Luftlinie von Hilde Domins Elternhaus entfernt ist.

 

Wir bedanken uns zunächst und vor allem bei den Menschen, die bereit waren, sich für dieses Projekt unentgeltlich portraitieren zu lassen und die bereit waren ihre Geschichte zu erzählen.

Weiterhin gilt der Dank dem Deutschen Roten Kreuz und ihren interessierten Mitarbeitern, ihrer Hilfsbereitschaft und der großartigen Mitarbeit. Nicht zuletzt bedanken wir uns für die Unterstützung und Befürwortung des Projektes beim Kölner Flüchtlingsrat e.V. und der Stadt Köln.

 

Martin Lilkendey